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Rauchmelder sollen Leben retten und sind mittlerweile fast überall in Deutschland Pflicht. Die zahlreichen ohrenbetäubenden Fehlalarme können jedoch ungesunde Folgen haben

IIIIIIIEEEEEEEE

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So sehen 3000 Hertz mit 85 Dezibel in Schriftform aus. Gehört entspricht das in etwa einem kreischenden Baby mit der Lautstärke eines Presslufthammers.

Als der Panikalarm des Rauchmelders an unserer Wohnzimmerdecke einsetzte, hatte das einen trivialen Grund: Der Toast war angebrannt. Eigentlich kein Problem. Aber das Rauchmelder-Kreischen war jetzt eins, weil es die Trommelfelle meiner Freundin aufschlitzte. Ihr Gehirn war noch beim Frühstück. Also übernahm ihr Rückenmark den Job.

Das Rückenmark, das ist allgemein bekannt, bevorzugt schnelle, einfache Lösungen. Missionsziel des Rückenmarks: Knopf an der Unterseite des Rauchmelders drücken und das Gerät deaktivieren. Asapissimo.

Schnell ist nicht immer gut

Eine Leiter ist nicht vorhanden. Die Rückenmark-Lösung: Sesselhocker nehmen, draufsteigen, hochspringen.

Meine rückenmarksgesteuerte Freundin springt. Sie landet. Missionsziel verfehlt. Sie springt erneut, landet, immer noch Kreischen. Rückenmark an Oberschenkel: volle Kraft. Sie springt. Die Zeigefingerspitze meiner in der Luft schwebenden Freundin berührt den Knopf an der Unterseite des Brandmelders. Ein Jackie-Chan-Moment, Gravitation aus. Panikalarm aus.

Gravitation wieder an. Füße treffen Hocker, Hockerseite kippt um, Freundin kippt um, Rücken(mark) schlägt auf Hockerkante, Arm schlägt auf Boden, Kopf schlägt auf Boden.

Deutschland im Jahre 2014: Die Nanny-Republik hat dem Feuer den Kampf angesagt und Rauchmelder in Wohnungen zur Pflicht gemacht. In ganz Deutschland? Nein! Drei Bundesländer, Berlin, Brandenburg und Sachsen, leisten noch Widerstand. Und in ihnen sinken oder stagnieren die Brandopferzahlen seltsamerweise genauso wie in Restdeutschland (siehe Tabelle am Ende des Textes).

Überhaupt sinken die Brandopferzahlen in Deutschland schon seit 1980, lange vor Rauchmeldern (siehe Grafik).

Trotzdem kämpft die Lobbyorganisation "Forum Brandrauchprävention" seit dem Jahr 2000 für die Einführung der Rauchmelderpflicht. Offenbar mit Erfolg. In der Organisation sind alle Mitglied, die davon profitieren: Die Hersteller (Umsätze), die Versicherungen (Ausschlussklauseln), die Feuerwehren (Einsätze), die Schornsteinfeger (Wartungsverträge).

Es fehlt die statistische Grundlage

Ja, stimmt schon, der Rauchmelder hat Alarm geschlagen, bevor meine Freundin merkte, dass das Brot im Toaster qualmte.

Und ja, jeder Alarm, der ein Leben rettet, ist eine gute Sache.

Aber wie viel Panik, wie viele Stürze haben diese Rauchmelder wohl schon verursacht? Wegen angebranntem Toast, anderer Kleinigkeiten oder einfach aufgrund von Fehlalarm?

Ich frage mich, ob hier noch die Verhältnismäßigkeit stimmt. 384 Brandopfer gab es 2012 in Deutschland. Halb so viele wie 1980. Offenbar geht es auch ohne Rauchmelder. "Der Rückgang bei den Todesopfern liegt unserer Erfahrung nach am verbesserten baulichen wie abwehrenden Brandschutz sowie an der Brandschutzerziehung, durch die korrektes Verhalten im Notfall gelehrt wird", sagt Silvia Darmstädter, Sprecherin des Deutschen Feuerwehrverbands.

Ob Rauchmelder wirklich die Zahlen weiter senken werden, dafür gibt es überhaupt keine statistische Grundlage. Wird es wahrscheinlich auch nicht geben. "Eine Auswertung der Ergebnisse der Rauchmelderpflicht wird in den einzelnen Bundesländern erst einige Zeit nach Eintritt der Umsetzungsfristen möglich sein", heißt es auf der Seite der Lobbyorganisation "Forum Brandrauchprävention".

Anstieg bei den Sturzunfällen

Ich bin gespannt, wie die aussehen soll. Die Feuerwehren müssten jeden durch Rauchmelder vor dem Feuer Geretteten protokollieren. Das passiert aber nicht. "Statistiken zu Bränden, die durch Rauchmelder verhindert wurden, sind mir nicht bekannt", sagt Silvia Darmstädter. Also werden die Brandopferzahlen und die Einführung der Rauchmelderpflicht immer nur eine Korrelation bleiben. Einen Kausalzusammenhang beweist das nicht.

Korrelieren kann man spaßeshalber auch mal die Anzahl der Sturztodesopfer mit der Einführung der Rauchmelder. Die steigen nämlich seit Beginn ihrer Einführung vor zehn Jahren wieder auffällig an (siehe Grafik). Kein Kausalzusammenhang natürlich, nur eine Korrelation. Aber wo wir doch schon mal beim Korrelieren sind.

Ganz kausal verursacht aber sind die Kosten von zwei Milliarden Euro für diesen bundesweiten Kanonenschuss auf den Feuerspatz. Installation und Wartung der Rauchmelder nicht inklusive. Gezahlt haben das die Mieter. Die drastisch angestiegenen Feuerwehr-Fehlalarme durch die Brandmelder (etwa 198.364 im Jahr 2013, Kosten pro Einsatz: bis zu einige tausend Euro) müssen die Steuerzahler übernehmen. Und die deswegen ungelöschten Brände - wer zahlt für die? Nach Auskunft von Silvia Darmstädter kann es durch Fehlalarme zu verspätetem Anrücken beim echten Brand kommen, vor allem in kleineren Kommunen. Gar nicht zu reden von möglichen Opfern, die hätten gerettet werden können, wenn die Feuerwehr nicht anderweitig beschäftigt gewesen wäre.

Meine Freundin hat sich dank Brandmelder ihr Handgelenk gebrochen. Eine teuer erkaufte Rettung vor einem verbrannten Toast.